In Kalenderwoche 36 und 37 sind die Preise für THG-Zertifikate auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren geklettert. Anhaltende und weiter drohende Fehlmengen in der Verfügbarkeit von HVO als auch im Raum stehende Einschränkungen beim Vertrauensschutz führten zu deutlich steigenden Preisen.
No Cap THG-Zertifikate des Handelsjahres 2025 wurden in den beiden vergangenen Wochen zu Preisen zwischen 155 und 165 €/t CO₂eq gehandelt. Im Schnitt sind die Preise damit im Vergleich zu den beiden Vorwochen erneut um 5 €/t CO2eq gestiegen und folgen damit weiterhin einer stringenten Entwicklung seit März 2025. Noch deutlicher stiegen die Preise im Segment der fortschrittlichen, doppelt anrechenbaren THG-Zertifikate. In KW 36 und 37 lagen die Handelspreise zwischen 300 und 315 €/t CO2eq. Damit reiht sich die Entwicklung nahtlos in die Preisentwicklung seit März 2025 ein, als letztmals anhaltend sinkende THG-Quotenpreise verzeichnet wurden.
2026er Quote wurde in KW 36 und 37 im Durchschnitt bei rund 285 €/t CO₂eq gehandelt (+10€), wobei die im Markt stehenden Volumen recht gering sind. Im Verpflichtungsjahr 2026 werden voraussichtlich keine doppelt anrechenbaren fortschrittlichen THG-Zertifikate zur Verfügung stehen. Die Bepreisung dürfte folglich im Markt auf das bestehende Modell für fortschrittliche Single Counting THG-Zertifikate umgestellt werden (Preis No Cap €/t + Aufschlag in €/GJ).
Aufgrund der regulatorischen Änderungen im Zuge der Umsetzung der RED III Novellierung, als auch dem ausstehenden Emissions-Mix für Strom in Deutschland, können Akteure Anrechnungsbedingungen und Mengen nur schwer abschätzen und vertagen entsprechend ihre Handelsaktionen für 2026er Zertifikate.
Akteure im Markt erwarten ab Ende September weiterführende Informationen zum zweiten Entwurf des zweiten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote. Mögliche Veränderungen könnten sich im Bereich rund um die Kontrollmechanismen für Bio-Kraftstoffproduzenten abzeichnen, aber auch der Wegfall der Doppelanrechnung, die Anerkennung von Palmölabfallprodukten und der Umgang mit den Übertragungsmengen aus 2024 stehen noch auf dem Prüfstand. So fordern zahlreiche Stimmen im Markt, die Anrechnung der Übertragungsmengen von 2024 nur teilweise im Jahr 2027 zuzulassen und stattdessen das Volumen auf weitere Jahre zu strecken.
Händler warnen vor Wegfall des Vertrauensschutzes
Regulatorisch rückte der geplante Wegfall des Vertrauensschutzes im Rahmen der Novelle der Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung und der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung in das Zentrum der Debatte. Bisher konnten sich Händler und Importeure darauf verlassen, dass ein Zertifikat rechtliche Sicherheit im weiteren Handelsverlauf bietet. Der Vorstoß diese gängige Praxis stärker zu beschränken und auch nachfolgende Handelsstufen bei Verstößen indirekt zu sanktionieren, sorgt für Verunsicherung in der Branche. Zahlreiche Händler geben zu bedenken, dass bei einem global gehandelten Produkt, die Lieferketten und Produktionsbedingungen oftmals nicht transparent nachvollziehbar seien, geschweige denn für den Händler proaktiv kontrollierbar sein dürften.
Ein Ausweichen auf europäische Produktionsorte sei aufgrund der verfügbaren Mengen von Biokraftstoffen nicht in Gänze kurzfristig umsetzbar. Der MEW Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland e.V. warnt insbesondere vor den Konsequenzen für kleinere und mittelständischen Handelsunternehmen für biogene Kraftstoffe durch die Reform, da diese die entstehenden rechtlichen und finanziellen Risiken nicht absichern könnten und somit wesentlichen in ihrem wirtschaftlichen Handlungsspielraum eingeschränkt würden.
Lobend äußert sich hingegen die Initiative Klimabetrug Stoppen unter der Obhut des Bundesverband THG Quote e.V.: „Insbesondere die Reform des Vertrauensschutzes für gefälschte Zertifikate stellt einen wichtigen Hebel dar, um Betrug wirkungsvoll sanktionieren zu können.“ Die Initiative vereint eine Vielzahl an Produzenten von Biomethan, Biokraftstoffen und Händler weiterer nachhaltiger Kraftstoffe in Deutschland.
Auf politischer Ebene kündigte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie an, den Sachverhalt unter Leitungsvorbehalt zu setzen. Dies dürfte die tiefgreifende Bedeutung und Tragweite der weiteren Reform des Vertrauensschutzes klarstellen.
Im Rahmen der 14degrees Marktberichte werden wir weiter über den Verlauf informieren.
